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Söldner in Halifax: 1782-83

Johann Gottfried Seume

In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet und gepökelt wie die Heringe. . . . Im Verdeck konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen, und im Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für sechs und sechs Mann; . . .

Es war mir doch ein sonderbares Gefühl, als ich den andern Morgen auf das Verdeck trat, und zum ersten Mal nichts als Himmel und Wasser um mich sah. Der Ozean wogte majestätisch, und die Schiffe tanzten magisch wie kleine Spielwerke auf der unbegrenzten, ungeheuren Fläche: der Himmel war bewölkt und teilte dem Wasser seine tiefe ernsthafte Farbe mit. . . .

Die Kost war übrigens nicht sehr fein, so wie sie nicht sehr reichlich war. Heute Speck und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; Übermorgen pease (sic) and pork und sodann pork and pease: das war fast die ganze Runde. Zuweilen Grütze und Graupen, und zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb mit süßem Wasser, und altem altem Schopsenfett machen mußten. Der Speck mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am Rande schwarzstreifig, weiter hinein gelb, und hatte nur in der Mitte noch einen kleinen weißen Gang. . . .

Das schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Faß heraufgeschrotet und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck wie Styx, Phlegethon und Kocytus zusammen: große fingerlange Fasern machten es fast konsistent; ohne es durch ein Tuch zu seihen war es nicht wohl trinkbar: und dann mußte man immer noch die Nase zuhalten, . . .

Das Ufer um Halifax her ist unfreundlich, ziemlich öde und unfruchtbar. Der Ort, der uns zum Lager angewiesen wurde, war abhängiger Felsenboden. Wir kamen spät ans Land, und ehe die Bedürfnisse herbeigeschafft wurden, ward es fast Nacht. Die Zelte kamen an und sollten aufgeschlagen werden. . . . Die Schwierigkeit war nicht klein, da Zeltstangen und Zeltpflocke erst aus dem Walde geholt und gehauen werden mußten. Die Nacht kam ein Sturm wie ein Orkan, der unserer Architektur von Leinwand weidlich spottete. . . .

Die sogenannten Wilden . . . kamen gewöhnlich zur See, in ihren bekannten Booten aus Birkenrinde, die meisterhaft gebaut waren und die sie mit ihren kleinen Rudern meisterhaft zu führen verstanden. Die englischen Matrosen, die es ihnen nachtun wollten, verloren sehr oft das Gleichgewicht und fielen in die See, worüber denn die Indianer und über das europäische schwerfällige Schwimmen recht herzlich lachten. . . .

Die Wilden benahmen sich, soviel ich habe beobachten können, immer anständig; . . . Wenn sie des Rums etwas voll und lustig wurden, führten sie drollig genug sogleich am Ufer den Ball auf und tanzten nach einer Art von brummendem Gesang, wozu einige mit Kieselsteinen aus dem Stegreife den Takt schlugen. . . .

 

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